Lesekultur: Hurra, wir lesen noch! Auch im Zeitalter des Internets werden wir nicht zu Analphabeten. Im Gegenteil: Ob Romane, E-Mails oder Blogs – wohl noch nie wurde so viel gelesen wie heute.
DIE ZEIT, Nr. 30/22.07.2010
ABER, was würden die Verteidiger der Lesekultur aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von dieser Entwarnung halten?
Wo ist das gemeinsame Lesen unter der Feierabendlampe geblieben? (1956)
Aber zum Lesen braucht man Zeit und Bereitschaft jenen aus dem Innern kommenden Impuls, der unmittelbar zum Lesen treibt. Aber dieses ursprüngliche Bedürfnis des Lesens, das ein Kennzeichen eines gesunden Kulturlebens ist, nimmt immer mehr ab. Die Jugend kennt ja gar nicht mehr jenes einmal so selbstverständlich gewesene Bildungsleben, als der Bücherschrank noch eine ehrfürchtig empfundene Weihe ausstrahlte und die ganze Familie lesend oder gemeinsam dem Vorleser lauschend sich unter dem trauten Schein der Feierabendlampe zusammenfand. So atmet die Jugend auch nicht mehr in jener Atmosphäre der Stille und des Einfachen, die so selbstverständlich zu dem verlorenen Bildungsleben gehörte, in der allein das sanfte Gesetz im Sinne Albert Stifters wirken kann und das in der Aussage des Dichters seine wirkende Gestalt findet. Man liest bestenfalls noch, um sich zu unterhalten, um sich von “den Nöten des Lebens”, vor seiner aufpeitschenden Betriebsamkeit in eine “milde Narkose” zu versetzen. Denn in der allgemeinen Hetzjagd verlor der Feierabend seinen bildenden Sinn, und man tauschte dafür die Gier nach Betrieb, nach Sensation um jeden Preis ein.
Erich Weißer: Die apädagogische Aufgabe des Jugendbuches im Massenzeitalter, in: Jugendschriften-Warte Nr. 10/1956
Abb. DIE ZEIT Nr. 52/1994, S. 1
War Micky Maus zersetzendes Werk erfolglos? (1959)
Vor uns liegt die Auseinandersetzung mit politischen und wirtschaftlichen Mächten. Wir werden unsere Existenz wohl nur sichern können, wenn wir mit unserer Leistung konkurrenzfähig bleiben wenn die Produkte unserer Arbeit sich den Ruf der Wertarbeit erhalten. Das wird nur möglich sein, wenn eine große Zahl
leistungsfähiger Arbeiter (im weitesten Sinne) nachwächst. Wir brauchen nur zum Osten zu schauen, um zu erkennen, daß ein Volk von Bildanalphabeten wenig Chancen für die Zukunft hat.
Vor fünf Jahren haben die Comics ihr zersetzendes Werk in Deutschland begonnen. Der EHAPA Verlag weist eine zersetzende Wirkung der Micky Maus zurück und beschränkt sie auf die Horror Comics. Es gibt nicht nur eine Zersetzung der Moral sondern auch eine Zersetzung der geistigen Leistungsfähigkeit – und diese ist nicht ungefährlicher. Ueber den Anteil der Comics an der Verdummung der Jugend ist an dieser Stelle mehrfach geschrieben worden. Es genügen daher einige Schlagworte: Reizüberflutung, Verhinderung einer echten Lesefähigkeit, d. h. einem Wortwerk den gemeinten Sinn entnehmen, Verkümmern der eigenen Vorstellungskräfte, Anhäufung von nicht verwendbaren unsinnigen Fantastereien, Einbruch in die Familie – in das gemeinsame Lesen, Geschmacksverbildung durch kitschige Bilder….
A. Köhlert: Micky Maus, in: Jugendschriften-Warte H.12/1959
Siehe dazu auch in diesem Blog den Beitrag: Die Lehrer von heute – Comic-Leser von damals? (1955)
Abb. „Feierabendtisch“ – DIE ZEIT Nr.52/1994, S.1
Abb. „Jungen an den Mülltonnen“ – Aus einer Diareihe der Landesmedienstelle Niedersachsen (ca. 1955) mit Zitat aus dem Begleittext


















Kopieren bildet seit jeher eine der Grundlage für künstlerische und technologische Entwicklungen in der Mediengeschichte : „Die Kulturtechniken des Abdrücke-Erstellens, des Moulagierens, des Stempelns, des Stanzens, des textilen Färbens, des Wendens und des Hoch- oder Tiefdruckens bildeten eine gemeinsame Menge traditioneller Verfahren aus, die auch im Zentrum der Innovationen des Industriezeitalters standen. “ (Robert M. Brain: Representation on the Line, 2007, S. 131)
letzten Jahren zahlreiche Erfindungen und Verbesserungen entgegengekommen. Auch insbesondere für den Gebrauch auf Reisen sind verschiedene Apparate construirt worden, welche sich leicht handhaben und transportiren lassen. Vorzüglich zweckmäßig erscheint on dieser Beziehung die Taschencopirpresse von Auguste Zeiß u. C. in Berlin W., Leipziger Straße 107, deren Einrichtung und Anwendung mit Hilfe der nebenstehenden Figur leicht zu verstehen ist. […] Nachdem man die Walzen voneinander entfernt hat, schiebt man das Copirbuch zwischen dieselben, nähert sie dann einander wieder, um den erforderlichen Druck auszuüben, und zieht das Copirbuch zwischen ihnen hindurch, womit die Herstellung der Copie beendet ist. Vielleicht wird dieser einfache Apparat in dem wünschenswerten Maße dazu beitragen, die Gewohnheit des Copirens, durch welche so manche verdrießliche Zwischenfälle sich vermeiden lassen, immer mehr auch in Privatkreisen einzubürgern. Der Apparat wird in einem soliden Leinwandfutteral von 28 Cmtr. Länge, 13 Cmtr. Breite und 2 ½ Cmtr. Dicke geliefert. (Illustrirte Zeitung Nr. 2459/1890, S. 181)
