Exultet-Rollen – So was wie PowerPoint, bevor es PowerPoint gab!

Für das einfache Stadtvolk und die Bauern waren im Mittelalter Bilder an und in den Kirchen zusammen mit der Predigt das wichtigsten Mittel ihrer religiösen Unterweisung. Eine besonders ausgeklügelte Methode, Bilder zur Unterstützung und Verdeutlichung der Predigt heranzuziehen, stellt die sogenannte Exultet-Rolle dar.

Bei dem oben stehenden Bild handelt es sich um den Ausschnitt aus einer solchen Rolle aus dem 12. Jahrhundert. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass der Text am oberen Bildrand auf dem Kopf steht. Die oft über 6m langen Pergamentrollen enthielten eine Folge von großformatigen Bildern mit den dazugehörigen Texten. Der Prediger rollte sie von der Kanzel aus ab. Die Zuhörer betrachteten die Bilder, während er selben den Text vorlas.  Deshalb steht von den Bildbetrachtern aus gesehen, der Text auf dem Kopf.
Der Gebrauch liturgischer Schriftrollen war in der Römischen Kirche selten. Die Verwendung dieser liturgischen Buchrollen in Süditalien zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert ist wahrscheinlich  auf den Einfluss von Wandermönchen aus dem griechisch-byzantinische Kulturbereich zurückzuführen.
Die Bezeichnung Exultet-Rolle bezieht dabei sich auf ihre Verwendung in der Osterliturgie. Mit dem Jubelruf „Exultet“ (Es frohlocke) verkündete der Prediger die Auferstehung Christi. Die Bilder veranschaulichen den gesungenen Text des Exultet, indem sie diesen entsprechend der symbolisch-metaphorischen frühchristlichen Tradition illustrieren.

Bilder aus weiteren Exultet-Rollen: Museo Diocesano Vari

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