Telefon und Elektrokultur

„Ja, fahr direkt zu mir rüber – Ich bin dann fertig.“

„Meine Hausarbeit! Oh, die ist erledigt.“
„Wie ich das schaffe? Heutzutage lasse ich die Elektrizität für mich arbeiten. Ich habe einen elektrischen Geschirrspüler und eine elektrische Waschmaschine, und ich bügle mit dem elektrischen Bügeleisen.“
„Fegen und sauber machen? Das Einfachste von der Welt mit  unserem elektrischen Staubsauger.“
„Und Du kannst Ethel sagen, daß Jack und ich unser Frühstück direkt am Tisch zubereiten, mit unserem elektrischen Toaster und der Kaffeemaschine.“
„Kostet viel Strom? Nein, siehst Du, wir benutzen Glühlampen von Mazda. Sie geben uns mehr Licht als die alten Kohleglühlampen, aber sie verbrauchen so viel weniger Strom, daß unsere Stromrechnung trotz all dieser elektrischen Geräte nicht höher als vorher ist.“
„Dann habe ich mein Haustelephon, das mir sehr viel Treppensteigen erspart.“
„Sind sie oft defekt?“
„Bisher haben wir noch nicht das kleinste Problem gehabt.“
„Ich bin fertig, wenn Du kommst. Auf Wiedersehen!“

Aus: Scientific American (ca. 1915)

Umwandlung des Häuslichen Lebens  (August Bebel 1883)

Wie in der Küche, so wird die Revolution im gesamten häuslichen Leben sich vollziehen und zahllose Arbeiten erübrigen, die heute noch ausgeführt werden müssen. Wie künftig durch die Zentralnahrungsbereitungsanstalten in vollkommenster Weise die häusliche Küche überflüssig gemacht wird, so fallen durch die Zentralheizung, die elektrische Zentralbeleuchtung alle Arbeiten, die bisher die Instand­haltung der Feuerung in den Öfen, die Instandhaltung der Lampen und Beleuchtungsapparate erforderten, weg. Die Warmwasserleitung neben der Kaltwasserleitung ermöglicht einem jeden Waschungen und Bäder in beliebiger Weise, ohne Zuziehung einer Hilfsperson. Die Zentralwaschanstalten und Zentral-trockeneinrichtungen über­nehmen die Reinigung und das Trocknen der

Elektrische Küche Weltaustellung Chicago 1893 The Popular Science Monthly Nov 1893 S_46
Elektrische Küche auf der Weltausstellung in Chicago 1893

Wäsche; die Zentral­reinigungsanstalten die Reinigung der Kleider und Teppiche. In Chikago waren Teppichreinigungsmaschinen ausgestellt, die die Reini­gung in kürzester Zeit, zum Staunen und zur Bewunderung der die Ausstellung besuchenden Damen, vollzogen. Die elektrische Tür öffnet sich auf einen leisen Druck mit dem Finger und schließt sich selbst­tätig. Elektrische Einrichtungen schaffen Briefe und Zeitungen in alle Etagen der Häuser; elektrische Aufzüge ersparen das Treppensteigen. Man wird die innere Ausstattung der Häuser, der Fußböden, der Wandbekleidungen, der Möbel daraufhin einrichten, daß alles sich auf die leichteste Weise reinigen läßt und keine Staub- und Bakteriensammler sich bilden. Kehricht und Abfälle aller Art werden ähnlich wie das benützte Wasser durch Leitungen aus den Wohnungen beför­dert (Müllschlucker). In den Vereinigten Staaten, in manchen euro­päischen Städten, zum Beispiel Zürich, Berlin und seinen Vororten, London, Wien, München, gibt es bereits solche mit allem Raffinement eingerichtete Häuser, in denen zahlreiche wohlsituierte Familien — andere können die Kosten nicht tragen — wohnen und einen großen Teil der geschilderten Vorteile genießen.

Bebel, August: Die Frau im Sozialismus, Berlin: Dietz Verlag 1974, S. 511 f. – erste Ausgabe 1883
Abb. Elektrische Küche auf der Weltausstellung in Chicago 1893. Aus : Lungren, Charles M.: Electricity at the World’s Fair. In: The Popular Science Monthly Nov. 1893, S. 46

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