Mit Lochkarten gegen die Informationsflut

Die Flut kommt und geht, Deiche müssen verstärkt und erneuert werden. Das gilt auch für die „Deiche“ gegen die Informationsflut. Nicht erst seit heute.

„Das Problem als solches reicht […] einige Jahrzehnte weiter zurück. Es hängt mit der großen Entwicklung der Naturwissenschaft und Technik im 19. Jh. zusammen und mit der parallel zu dieser Entwicklung anwachsenden Literaturmenge. Es wurde immer schwieriger, das laufend erscheinende nationale und internationale Schrifttum zu erfassen und erkenntnismäßig auszuwerten. Das galt nicht nur für die naturwissenschaftlich-technische Forschung, sondern auch für den sich differenzierender geisteswissenschaftlichen Bereich. Äußeres Merkmal dieser Schwierigkeit war das Zurücktreten der alten bis dahin vorherrschenden Publikationsform des Buches und das Anschwellen der neuen Publikationsform der Fachzeitschriften mit dem damit verbundenen Bedürfnis nach Sammlung und Analyse der Zeitschriftenbeiträge.“ (Siegel 1974, S. 4

Kartei versus Liste
„Eine Kartei hat gegenüber einer Liste mancherlei Vorteile. Sie lässt jederzeit Ergänzungen zu, ohne dass das Ordnungsprinzip geändert zu werden braucht. Eine Kartei kann durch Einschaltungen und Ergänzungen wachsen; sie kann nach Belieben umgestellt und je nach Bedarf alpha-/ betisch, numerisch, chronologisch oder nach Sachverhalten geordnet werden.“ (Ruston 1963, S. 5f)

Kerblochkartei

Randlochkarten
„Als Erfinder der Randlochkarte ist der Engländer Alfred Perkins zu nennen (U.S. Patente 1 544 172 vom 30. Juni 1925 und 1 739 087 vom 10. Dezember 1929). […] Innerhalb eines Ablagesystems steht die Randlochkarte stellvertretend für ein bestimmtes Dokument. Dabei werden Dokumentationselemente den bereits vorhandenen Löchern zugeordnet. Die manuell oder vorwiegend manuell befragbaren Randlochkarten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie eine, zwei oder mehrere Reihen von Löchern enthalten, die längs eines Randes, bzw. längs mehrerer oder sämtlicher Ränder einer Karte angebracht sind. Die Kennzeichung eines in einem Dokument auszuweisenden Begriffs erfolgt durch Kerbung oder Schlitzung jeweils desjenigen Loches oder derjenigen Lochkombinationen, denen der Begriff zugeordnet wird. Das eigentliche Selektieren geschieht für den Fall, dass die Fragestellung über ein einzelnes Loch beantwortet werden kann, durch Einführung einer stricknadelanalogen, zweckmässig geschaffenen Sonde in das entsprechend gekennzeichnete Loch. Für den Fall, dass der Fragestellung eine mehr- bzw. vielstellige Verschlüsselungszahl und demzufolge eine entsprechende Anzahl von Löchern bzw. Lochpaaren adäquat ist, kann eine Vielzahl von Sonden eingeführt werden. (Ruston 1963, S. 5f)

Wollte man mit diesem Karteisystem innerhalb einer Organisation oder sogar organisationsübergreifend arbeiten, setzte dies einen nicht unerheblichen Abstimmungsbedarf voraus, um die Merkmale, die auf  der Karte festgehalten werden sollten, sowie die Anordnung dieser Merkmale festzulegen. Hinzukamen eine Reihe von „Hilfsgeräte zum Arbeiten mit Randlochkarten“  wie Kerbzangen in unterschiedlichen Ausführungen.

Kerbzange_Sortiernadel

„Zweckmässigerweise verwendet man nur eine Zange für zweireihige Karten, mit der auch einreihige Karten gekerbt werden können. Es ist besonders darauf zu achten, dass die Zange einen glatten Schnitt ohne ausgefranste Ränder liefert. Um ein ermüdungsfreies Arbeiten zu sichern, darfdie Rückholfeder nicht zu kräftig sein. (Ruston 1963, S. 12)

Daneben gab es Tischkerbapparate,  Stapelkerber für einreihige Randlochkarten, Fusskerbstanzen für ein- und zweireihige Randlochkarten usw.

Abb. Aus: Siegel 1974, ohne Seitenangaben
Literatur
Ruston, Edda: Die kombinierte Rand- und Sichtlochkartei,hrsg. von der Europäischen Atomgemeinschaft – EURATOM. Gemeinsame Kernforschungsstelle. Forschungsanstalt Ispra (Italien). Zentralstelle für die Verarbeitung wissenschaftlicher Information – CETIS. (CETIS Bericht Nr. 37). Brüssel, Juni 1963
Siegel, Heinz: Hilfsmittel zur Literatur-Erschließung und Dokumentation, Arbeitsgemeinschaft der Parlaments- und Behördenbibliotheken, Nr. 27 Arbeitshefte, Karlsruhe 1974
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