1960 – Ein Schritt ins Informationszeitalter: Der Trockenkopierer Xerox 914

Vor 50 Jahren – im März 1960 – brachte „The Haloid Photographic Company“ mit der Xerox 914 den ersten Trockenkopierer für Normalpapier auf den Markt. Die Xerox 914 wurde auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eines der erfolgreichsten Xerox Produkte überhaupt. Die Bezeichnung Xerographieren leitet sich von den griechischen Wörtern xeros für „trocken“ und graphein für „schreiben“ ab. Die Bezeichnung 914 bezieht sich darauf, dass die Maschine Vorlagen bis 9 x14 Zoll kopieren konnte.

Auch im Digitalzeitalter lohnt ein Blick auf die Auswirkungen der analogen Xerox 914. So wurde die Büroorganisation durch die Möglichkeit, Dokumente schnell und billig zu vervielfältigen, entscheidend verändert. Auch Privatpersonen konnten sich jetzt ihre individuellen Textsammlungen zusammenstellen – z. B. für Zwecke des Studiums. (Die heftigen Proteste der Verleger war ein Vorspiel auf die durch das Internet ausgelöste Download-Diskussion.)
Der Erfolg des Xerox-Kopierers fällt – wohl nicht zufällig – zeitlich mit einer anderen Erfolgsgeschichte zusammen: 1962 brachte eine japanische Firma den ersten Textmarker (engl. Highlighter) auf den Markt.

Natürlich fehlen nicht die Stimmen, die auf negative Folgen der Kopiertechnik hinweisen.  Der Kopierer bedeutete, so schreibt Burkhard Müller aus Anlass des 50. Geburtstags des ersten Trockenkopierers in der Süddeutschen Zeitung, das Aus für die Kulturtechnik des Exzerpierens: „Das war die Fähigkeit gewesen, in einem längeren Text das Entscheidende herauszumerken, wobei man abwechselnd, je nach Dringlichkeit, zusammenfasste oder wörtlich zitierte. Da es sich um eine zeitraubende Tätigkeit handelte, entwickelte sich ein scharfes Urteilsvermögen über Wesentliches und Unwesentliches… wo man früher fünf Seiten manuell verfertigt hatte, schaffte man jetzt in derselben Zeit fünfhundert. Und folglich kopierte man nunmehr auch fünfhundert Seiten, ohne sie allzu genau auf ihre Relevanz anzusehen… Diese Spanne aber wird mitnichten mit geistiger Tätigkeit zugebracht, indem man liest, wägt, von Zeit zu Zeit notiert; sondern auf rein mechanische Weise: umblättern, anlegen…“
Müller musste sich allerdings fragen lassen, was er hier unter „Kulturtechnik“ eigentlich versteht. Das mechanische Kopieren von Texten per Hand kann er wohl nicht meinen. Warum aber das Auffinden der entscheidenden Aussagen und Argumente in einem Text nicht funktionieren soll, wenn man Kopien vor sich liegen hat,  in denen man die interessierenden Stellen noch einmal in einem größeren Kontext rezipieren kann, leuchtet nicht ein. Geschah das mechanische Abschreiben per Hand nicht oft genug unter dem Zeitdruck von ablaufenden Leihfristen und begrenzten Öffnungszeiten der Bibliotheken? Wie oft hätte man nicht noch einmal gerne die Passage vor oder nach der per Hand exzerpierten Stelle genauer gelesen?

Über das Beispiel von Xerox und den bewirkten Veränderungen in der Bürokommunikation hinaus sollte gesehen werden, dass das Kopieren seit jeher eine der Grundlage für künstlerische und technologische Entwicklungen in der Mediengeschichte bildet: Die Kulturtechniken des Abdrücke-Erstellens, des Moulagierens, des Stem­pelns, des Stanzens, des textilen Färbens, des Wendens und des Hoch- oder Tiefdruckens bildeten eine gemeinsame Menge traditioneller Verfahren aus, die auch im Zentrum der Innovationen des Industriezeitalters standen. “ ( Robert M. Brain: Representation on the Line, 2007,  S. 131)

Quellen:
Tenner, Edward The Mother of All Invention. How the Xerox 914 gave rise to the Information age, in: Atlantic Magazine, July/August 2010 – http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2010/07/the-mother-of-all-invention/8123/
Müller, Burkhard: Umblättern, anlegen, Knopf drücken. Was bitte heißt „exzerpieren“, und wie funktioniert ein zentralisiertes Büro? Vor fünfzig Jahren kam das erste Kopiergeräte auf den Markt, in: Süddeutsche Zeitung vom 22. Juni 2010, S. 11

Weitere Informationen

Owen, David: Making Copies. At first, nobody bought Chester Carlson’s strange idea. But trillions of documents later, his invention is the biggest thing in printing since Gutenburg, in: Smithsonian magazine, August 2004
Xerox Helped Win The Cold War
Ein Blick zurück: Über Kopierpressen und Polygraphen


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Xerox Helped Win The Cold War

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