Medialitätsbewusstsein (2):“Photographie und Himmelskunde“

Medien werden dann als Kulturtechniken beschreibbar, wenn die Praktiken rekonstruiert werden, in die sie eingebunden sind, die sie konfigurieren oder die sie konstitutiv hervorbringen. (1)

Theil des Sternbildes der Zwillinge
„Welche ungeheure Mühe [die Herstellung umfassender Sternkarten] nothwendig verursacht, läßt sich denken, ja eigentlich handelt es sich hierbei um eine Aufgabe, die alle menschliche Kraft übersteigt. […] Seit Jahren sind es die Gebrüder Paul und Prosper Henry, welche mit diesem mühevollen Unternehmen sich beschäftigen, allein trotz der großen Erfahrungen, die sie nach und nach erwarben, drohte ihrer Arbeit 1884 ein jähes Ende. Sie kamen nämlich im Verfolge ihrer Aufzeichnungen damals in die Gegend des Himmels, welche von der Milchstraße durchzogen ist. Der mild leuchtende Schein der Milchstraße wird aber bekanntlich hervorgerufen durch eine Ansammlung unzählbarer Millionen von Sternen, die in unergründlicher Tiefe hinter einander stehen. Diese Millionen Sternchen in Karten wiederzugeben erwies sich als geradezu unausführbar.“ (2)

Fotografische Emulsionen (Filme, Platten) oder elektro-optische Bildsensoren haben im Gegensatz zum Auge die Eigenschaft, die Wirkung des Lichts während langer Belichtungszeiten sammeln zu können. (3)

„Da erinnerten sich die beiden Beobachter der jüngst so vervollkommneten Photographie

Appareil équatorial 2
Abb. 3 Photographischer Refraktor in parallaktischer Aufstellung im Pariser Observatorium

und beschlossen, dieselbe zu Hilfe zu nehmen. Freilich konnten sie dafür die gewöhnlichen Apparate des Photographen nicht gebrauchen, sie mußten vielmehr ein besonderes photographisches Fernrohr konstruiren und diesem durch ein Uhrwerk eine so genau bemessene Bewegung ertheilen, daß die Sterne bei ihrem ununterbrochenen Laufe am Himmel doch unverrückt auf der photographischen Platte festgehalten werden. Nach vielen mühevollen Versuchen gelang das Unternehmen über alles Erwarten. Selbst die schwächsten Sterne zeichneten sich auf der Platte mit Schärfe ab, und in einer Stunde wurde auf diese Weise mehr geleistet, als bei der gewöhnlichen Art und Weise des Einzeichnens der Sterne in vielen Monaten.“ (4)

Der eine solche Karte benutzende Astronom kann sicher sein, das bis herab zur fünfzehnten Größe kein Stern vergessen worden ist, während das stärkste Fernrohr höchstens noch das Glimmen von Sternen der sechzehnter Größe wahrnehmen läßt. (5)

Quellen
(1) Schüttpelz, Erhard (2006): Die medienanthropologische Kehre der Kulturtechniken. In: Archiv für Mediengeschichte No. 6: Kulturgeschichte als Mediengeschichte (oder vice versa)?, Weimar 2006. S. 87-110
(2) Klein: Die Photographie des Himmels. In: Die Gartenlaube H. 7/1886 S. 128
(3) Astrofotografie: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Astrofotografie&oldid=147307642
(4) Klein: Die Photographie des Himmels. In: Die Gartenlaube H. 7/1886 S. 129
(5)Schwartz, Th. : Die Photographie und die Himmelskunde. In: Daheim Nr. 22/1886, S. 35
Abb.1  und 2 Klein: Die Photographie des Himmels. In: Die Gartenlaube H. 7/1886 S. 128
Abb. 3 Photographischer Refraktor in parallaktischer Aufstellung im Pariser Observatorium. Aus: Mouchez, Ernest Barthélémy, La photographie astronomique à l’Observatoire de Paris et la carte du ciel et la carte du ciel, 1887

1846 – 2016: Die Entdeckung von Planeten durch das „geistige Auge“ der Mathematik

Wie das Fernrohr, ein sinnliches näherndes, raumdurchdringendes Hülfsmittel, hat die Mathematik durch Ideenverknüpfung in jene fernen Himmelsregionen geführt, von einem Theil derselben sicheren Besitz genommen; ja bei Anwendung aller Elemente, die der Standpunkt der heutigen Astronomie gestattet, hat in unseren für Erweiterung des Wissens glücklichen Tagen das geistige Auge einen Weltkörper gesehen, ihm seinen Himmelsort, seine Bahn und seine Masse angewiesen, ehe noch ein Fernrohr auf ihn gerichtet war!  (Alexander von Humboldt 1847)

1846 – Entdeckung des Planeten Neptun
Humboldt bezieht sich auf die Entdeckung des Planeten Neptun. Seit dem Anfang des 17. Tycho Brahes MauerquadrantJahrhunderts wusste man, dass sich die Planeten auf elliptischen Bahnen bewegen, in deren einem gemeinsamen Brennpunkt die Sonne steht. Kepler hatte dieses nach ihm benannte Erste Keplersche Gesetz aus den Tabellen abgeleitet, in denen der dänische Astronom Tycho Brahe und später Kepler selbst die Daten aus langjährigen Beobachtungen und Messungen der Umlaufbahnen der Planeten, insbesondere des Planeten Mars, festgehalten hatten.
Newton hatte mit der Gravitationskraft, die von der Sonne auf alle Planeten in unserem Sonnensystem ausgeübt wird, die Erklärung dafür geliefert, warum die Planeten in ihrer Umlaufbahn gehalten werden und warum es durch die Gravitationswechselwirkung zwischen den Planeten zu Abweichungen von den idealen elliptischen Umlaufbahnen kommt.
Aufgrund solcher Abweichungen von den vorausberechneten Bahnen der Planeten Jupiter,

Sternwarte zu Berlin 1840
1840

Saturn und Uranus waren Astronomen schon länger von der Existenz eines noch unbekannten Planeten ausgegangen. Der französische Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier berechnete 1846 die Position, auf der sich dieser unbekannte Planet befinden musste. Diese Berechnungen schickte er an die Königliche Sternwarte in Berlin, die durch die Initiative von Alexander von Humboldt über eines der leistungsstärksten Teleskope in der damaligen Zeit verfügte. Als die Berliner Astronomen ihr Teleskop auf die von Le Verrier berechnete Position richteten und das sich ihnen bietende Bild mit einer aktuellen Sternenkarte verglichen, gelang es ihnen sofort, den bis dahin unbekannten Planeten zu identifizieren und damit den Beweis für Le Verriers Berechnungen zu führen.

2016 – Planetenentdeckung per Computersimulation
„Zwei US-Astronomen haben nach eigenen Angaben Hinweise auf die Existenz eines neunten Planeten in unserem Sonnensystem entdeckt. Der Himmelskörper sei etwa zehnmal so schwer wie die Erde, […]. Gesehen haben die beiden Wissenschaftler den möglichen neuen Planeten aber noch nicht. […] Die Hinweise beruhen bislang aber ausschließlich auf mathematischen Modellen und Computersimulationen.“ (faz.net – 21.01.2016)

 

Medialitätsbewusstsein (1): Mündlichkeit

Medialität lässt sich nicht absolut, sondern nur an der Differenz zwischen zwei medialen Formen beschreiben. Dies zeigt sich im Vergleich zwischen gesprochener Sprache und phonetischer Schrift.
So gilt im Rahmen der Strafprozessordnung in unserer Gesellschaft der Grundsatz der Mündlichkeit. Alles, was während der Hauptverhandlung geschieht, also die Vernehmung des Angeklagten, die Beweisaufnahme und die Plädoyers, muss mündlich erfolgen. Daraus spricht ein großer Vorbehalt gegen alle Aufzeichnungsmedien. Sie selektieren und nehmen den Richtern ihre Autonomie zur Selektion, nichts anderes soll gelten als ihre eigene Wahrnehmung.

„Eine Angeklagte lässt aussagen“

Diese Überschrift aus der Süddeutschen Zeitung vom 11. Dezember 2015 bezieht sich auch die Entwicklung im NSU-Prozeß gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Nach 249 Verhandlungstagen bricht Zschäpe ihr Schweigen bzw. lässt eine Stellungnahme von ihrem Anwalt vorlesen.

Tönendes Schweigen SZ 11_12_2015 S_6

 

 

„Anerkannt ist die sogenannte ‚Verteidigererklärung‘, in der der Verteidiger als Verteidiger eine Erklärung abgibt. Anerkannt ist auch die Erklärung des Verteidigers, wie im Fall Zschäpe. Der Erkenntniswert einer solchen Erklärung, die der Verteidiger im Namen Zschäpes verliest, ist freilich geringer als dann, wenn sie ihre Erklärung selbst vorgetragen hätte. Warum? Die Mimik, die Gestik, der Habitus, mit der eine Aussage vorgetragen wird, spielt eine Rolle, wenn es um die Beurteilung dessen geht, ob und wie plausibel das Dargelegte ist; das alles entfällt bei der bloßen Verlesung durch den Verteidiger. […] Die Hauptverhandlung ist ein mündliches, kein schriftliches Verfahren. Schon das Wort ‚Aussage‘ besagt, warum es geht: Um mündliche Befragung und mündliche Antworten, nicht um den Austausch von Schriftstücken. […] Würde die mündliche Kommunikation vor Gericht durch eine schriftliche ersetzt, könnte sich das Gericht keinen Eindruck vom Aussageverhalten der Angeklagten mehr machen.“ (Prantl 2015)

„Wachtmeister Studer“ Kapitel 16 „Liebe vor Gericht“ Wachtmeister Studer

Der Untersuchungsrichter stockte. Studer schneuzte sich und blies Trompetensignale, unterbrach sie, nieste, aber das Niesen gemahnte an ein unterdrücktes Kichern. Schließlich beruhigte er sich und fragte mit tränenden Augen:
„Hat das Schlumpfli wortwörtlich so gesprochen? Ich meine, Sätze wie: ‚allwo ich ihn gezwungen habe, mir seine Brieftasche auszuliefern…‘ und: ‚…was mich dazu bestimmt hat, ihn nachher mit einem Schusse niederzustrecken…‘ Hat er das wirklich so gesagt?‘
Der Untersuchungsrichter war beleidigt.
„Sie wissen doch, Wachtmeister“, sagte er streng, „daß es uns obliegt, die Aussagen zu formulieren. Wir können doch nicht das ganze Gerede eines Angeklagten stenographieren. Die Akten würden zu Bänden anwachsen …“
„Ja, sehen Sie, Herr Untersuchungsrichter, das scheint mir immer ein großer Fehler. Ich würde die Worte der Angeklagten sowohl, als auch der Zeugen, nicht nur stenographieren, sondern die Worte auf Platten aufnehmen lassen. Man bekäme dann jeden Tonfall heraus…“ (Glauser 1989, S. 186)

Videovernehmung kindlicher Zeugen

Die Vorteile einer Videodokumentation liegen dabei in Folgendem: Sowohl die Antworten als auch die Fragen – suggestiv oder offen – werden festgehalten. Das gesamte Aussageverhalten des Zeugen – insbesondere das nonverbale – wird authentisch und plastisch wiedergegeben, darunter Pausen in der Antwort, Stottern, nervöse Bewegungen, Erröten und Schwitzen. Die Aufzeichnung gewährleistet eine detailgenauere und konsistentere Information.“ (Scheumer 2007, S. 31f.)

„So geht der Regierungsentwurf der CDU/FDP davon aus, dass Bild-Ton Aufzeichnungen „dauerhaft Aussageinhalt und Aussageverhalten“ fixieren und „deren grundsätzlich unbegrenzte Reproduzierbarkeit“ ermöglichen, wobei „dem Einsatz der Videotechnologie verfahrensentscheidende Bedeutung“ zukommt „angesichts der hohen Anforderungen der Rechtsprechung an die Überprüfung der Validität einer kindlichen Zeugenaussage in Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs und der Erkenntnisse der Aussagepsychologie, die der Entstehungsgeschichte der Beschuldigung und der Entwicklung der Aussage des Kindes erhebliche Bedeutung beimessen.“ (Scheumer 2007, S. 33)

Literatur
Glauser, Friedrich (1989): Wachtmeister Studer. Zürich: Diogenes
Prantl, Heribert 2015: Eine Angeklagte lässt aussagen: Wie sich Beate Zschäpes Einlassung auf den Fortgang des NSU-Prozessen auswirkt. In: Süddeutsche Zeitung vom 11.12.2015, S. 6
Scheumer, Maike (2007): Videovernehmung kindlicher Zeugen. Zur Praxis des Zeugenschutzgesetzes. Göttinger Studien zu den Kriminalwissenschaften Bd. 2. Göttingen: Universitätsverlag

 

 

1904 – Überwachung sozialdemokratischer Versammlungen mit Hilfe der Stenografie

Polizeisergeant Fritz Pohle – Kassierer des Stenographenvereins in Quedlinburg – „wird infolge seiner tüchtigen Befähigung auf dem Gebiet der Stenographie seit langer Zeit stets zur Überwachung und Fixierung der sozialdemokratischen Versammlungen kommandiert und hatte in dieser Beziehung namentlich auch vor den Reichtstagswahlen in ausgedehntem Maße Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu erproben.“
Agitator und Stenograph
In der alten Kaiser- und Blumenstadt Quedlinburg, der Eingangspforte zu den waldigen sagenumsponnenen Harzbergen und dem wildromatischen Bodetal, hat unser System* und damit die Stenographie überhaupt einen schönen moralischen Erfolg davongetragen. In einer am 1. November v. Js. im hiesigen sozialdemokratischen Restaurant ‚Vorwärts‘ abgehaltenen Volksversammlung hatte der sozialdemokratische Schriftsteller und Agitator Albert aus Magdeburg in einem Vortrage über die Bedeutung des Ausfalls der Stadtverordnetenwahl für die Arbeiter gegen die hiesige Stadtverwaltung Anklagen geschleudert, die zum größten Teil auf Unwahrheiten und Ungenauigkeit beruhen. Aufgrund des von dem Polizeisergeanten Fritz Pohle (Kassierer des hiesigen Stenographenvereins) aufgenommenen stenographischen Protokolls wurde dann in der Stadtverordnetensitzung am 23. November auf Antrag des Magistrats der städtischen Polizeiverwaltung vom Stadtverordnetenkollegium die Ermächtigung erteilt, gegen die in jener Volksversammlung gegen die Stadtbehörden ausgesprochenen Verdächtigungen und Beleidigungen strafrechtlich vorzugehen und den Urheber derselben vor Gericht zu ziehen.“
(H. Behle, Journalist in Quedlinburg – Der Deutsche Stenograph 1904, S. 30f.)

*„Der Deutsche Stenograph“ war die Zeitschrift des Stenographen-Verbandes Stolze-Schrey.

Auflösung einer Arbeiterversammlung_Illustrirte Zeitung 1890, S. 180
1890 – Polizeiliche Auflösung einer Arbeiter-Wahlversammlung in Berlin

Vor den Wahlen
„Ein unvermeidliches Uebel aller Parteiversammlungen ist der Ruhestörer. Erscheint er nur vereinzelt auf der Bildfläche, so ist er bald unschädlich gemacht, schwieriger gestaltet sich der Reinigungsproceß, wenn die verneinenden Geister rottenweise auftreten; dann geht leider mit der Ausübung des Hausrechts ein gut Stück Zeit verloren, oft genug endet die Versammlung infolge des künstlich herbeigeführten Tumultes mit polizeilicher Auflösung.“
Aus: Illustrirte Zeitung Nr. 2434 vom 22. Februar 1890, S. 180 und 181

1826 – Vom Nutzen der Wandtafel

Kirchen- und Schulrath Gottlob Leberecht Schulz zum Nutzen der Wandtafel

1826  Nutzen der Wandtafel Pictura Paedagogica Online

*Glaubt dem Erfahrenen!
Für unumgänglich nothwendig halte ich diese nicht. Sie ist,
wenn sie gut und dauerhaft seyn und in gehörigem Stand erhalten werden soll, zu theuer und wird im Wesentlichen durch Wandtabellen (§28. Anm. 2.), auf welchen der Leseübungsstoff schon geordnet vorgegeben ist, ersetzt. Die wenigsten Lehrer (experto credite!)* wissen gehörig mit ihr umzugehen, verderben viele Zeit mit den Zusammensetzen und Wegnehmen der Buchstaben und mißbrauchen sie wohl gar zu unnützen Kunststücken.

Quelle: Schulze, Gottlob Leberecht: Die vorzüglichsten Gegenstände des Landschulwesens und der Verbesserung desselben : mit besonderer Rücksicht auf die Königl. Sächs. Oberlausitz  – Budissin 1826
Nach: Pictura Paedagogica Online

Imagewerbung – Telefonpoesie aus dem Haus AT&T

1910
[…] Aladins Lampe brachte ihren Beisitzer im Nu von Ort zu Ort.1910 Ad American Telephone Telegraph ATT Bell Everyday Magic
Dies war vor tausend Jahren – und die Lampe gab es nur im Märchen. Aber die Geschichte war so wunderbar, dass sie bis heute erzählt wird.
Bells Telefon ist bei weitem wunderbarer – und es existiert wirklich.
Der Traum von Jahrhunderten wird wahr. Im Büro, in der Wohnung steht es, und sieht so alltäglich aus wie Aladins Lampe.
Durch das Telefon wird die menschliche Stimme – der getreueste Ausdruck von Persönlichkeit, Eigenschaften und Charakter –  sofort und genau von einem Ort zum anderen übertragen.
Alle anderen Kommunikationsmittel sind im Vergleich dazu kalt und farblos. Nur durch das Telefon wird die menschliche Qualität der menschlichen Stimme über die Begrenzungen der natürlichen Hörfähigkeit hinaus übertragen. […]

1911
[…] Noch vor einer Generation war die Reichweite der Sprache sehr begrenzt. Als Ihr Großvater ein junger Mann war, konnte man seine Stimme an stillen Bell Your Telephon Horizon 1911Tagen vielleicht über eine Meile hinweg hören. Heute dagegen hat sich das grundlegend geändert. Ein Gespräch über 2000 Meilen ist ein alltägliches Ereignis. Wollte man über diese Distanz hinweg sehen, müsste man ein Teleskop auf einer Plattform in ungefähr 560 Meilen Höhe aufbauen. So wie der Schatten einem Menschen folgt, begleitet ihn der Horizont der Telefonkommunikation. Reist man von einer Küste zur anderen, folgt der Telefonhorizont. Wo immer man sich befindet, bleibt man im Mittelpunkt seiner telefonischen Nachbarschaft. […]

1913

Telefonische Türen der Nation_Scientific American 20_12_1913_S 481Immer, wenn Sie den Telefonhörer aufnehmen, öffnen sich für Sie die Türen der Nation.

Wo immer Sie sein mögen, können Sie eine Vielzahl von Menschen mit ihrer Stimme erreichen. So einfach, wie man sich in einem Zimmer unterhält, können Sie Ihre Gedanken und Worte durch die offenen Türen des Bell Systems zu nahen oder entlegene Bundesstaaten und Orten schicken.

Zu jeder Tages- oder Nachtzeit können Sie sofort und direkt mit jedem, den Sie ausgewählt haben, sprechen, gleichgültig, ob er eine Meile, hundert oder zweitausend Meilen entfernt ist.

Dies wird möglich, weil 7.500.000 Telefone, in jedem Teil unseres Landes , über das Bell System miteinander verbunden sind …

1915
Auf den magischen Webstühlen des Bell Systems werden täglich zehn Millionen Bell Weavers of Speech 1915von telefonischen Botschaften zu einem fantastischen Stoff verwoben, der die zahllosen Aktivitäten eines fleißigen Volkes abbildet.

Tag und Nacht bewegen unsichtbare Hände die Weberschiffchen hin und her, weben aus den Gedanken von Männern und Frauen Muster, die – könnte man sie wie einen Teppich betrachten – eine dramatische Geschichte von unseren Geschäften und unserem gesellschaftlichen Leben erzählen.
Die Weberinnen sind die 70.000 Telefonistinnen von Bell. Unsichtbar für die Teilnehmer sitzen diese Weberinnen der Sprache leise an ihren Klappenschränken, verbinden schnell und geschickt die Leitungen, über die die menschliche Stimme über das Land in alle Richtungen geführt wird. […]

1923
Könnte das Telefonbuch in der Hand des Teilnehmers stündlich überarbeitet Bell Crossroads of Conversation 1923werden, brauchte man keine Telefonauskunft. Aber ein Telefonbuch enthält nie alle Teilnehmer. Selbst während das Telefonbuch gedruckt und gebunden wird, kommt es zu Tausenden von Änderungen. Neue Teilnehmer müssen ins Verzeichnis aufgenommen werden. Alte Teilnehmer ziehen geschäftlich oder privat an einen anderen Ort.
Auch wenn ihre Namen nicht im Telefonbuch stehen, müssen diese Teilnehmer über die Schnellstraßen der Kommunikation für alle anderen Teilnehmer erreichbar sein. Zur Ergänzung der gedruckten Seiten muss es daher an den Kreuzungspunkten der Gespräche Führer geben.
Das sind die Telefonistinnen in der Auskunft. Sie werden für diese Aufgabe aufgrund ihrer Schnelligkeit und Genauigkeit, ihrer Höflichkeit und Intelligenz ausgewählt. An ihrem Arbeitsplatz sind sie mit den Vermittlungszentralen verbunden. Sie entlasten die normalen Telefonistinnen davon, tausende von Fragen nach Telefonnummmern zu beantworten, wodurch sie in ihrer Arbeit behindert würden.