Vom Lap Desk zum Laptop

Schreiben war schon früher nicht ausschließlich auf Wohnungen und Büros beschränkt. Seit dem 18. Jahrhundert führte man auf Reisen sein eigenes Schreibpult im Gepäck mit sich. Im Englischen sprach man von Lap Desks oder Writing Cabinets. Es handelte sich dabei um aufklappbare Holzkästen mit Fächern für Papier, Tinte, Schreibfedern, Federmesser, Siegellack und Streusand. Aufgeklappt erhielt man eine schräge Schreibunterlage. Lap Desks kamen seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in England in Mode. Beliebt waren sie u. a. bei Offizieren. Berühmt wurde der nach Plänen von Thomas Jefferson gebaute Lap Desk, auf dem er 1776 in Philadelphia die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung schrieb.

Eine Animation im Digitalen Museum des Betthoven-Haus in Bonn zeigt den Aufbau von Beethovens Reiseschreibpult.

Abb. Antique Lap Desk (frühes 19. Jahrhundert) – http://en.wikipedia.org/wiki/File:Antique_lap_desk_interior_view.JPG

Medienpädagogischer Blick auf „Die Anatomie des Dr. Tulp“

Das Gemälde „Die Anatomie des Dr. Tulp“ wurde um 1632 von Rembrandt fertig gestellt. Bei Dr. Tulp (1593 bis 1674) handelte es sich um einen Bürgermeister der Stadt Amsterdam, der gleichzeitig einer der bekanntesten Ärzte des 17. Jahunderts war. Wie sein großes Vorbild, der Anatom Andreas Vesalius, lässt er sich bei der Präparation eines Arms porträtieren. Rembrandt „zitiert“ in dem Gemälde den präperierten Arm aus einem Holzschnitt,  auf dem Andreas Vesalius zu sehen ist.

Einige der Teilnehmer an der anatomischen Vorlesung blicken über die Leiche hinweg ganz offensichtlich auf einen anatomischen Atlas. Damit liefert das Gemälde ein _Anschauungsbeispiel für die oftmals übersehene Bedeutung der Drucktechnik für die Verbreitung von Abbildungen.

Für die Entwicklung von Technik und Wissenschaft war es entscheidend, dass mit dem Aufkommen des Buchdrucks nicht nur Texte vervielfältigt werden konnten, sondern auch Bilder, Karten und Diagramme. Die Bedeutung der Tatsache, dass erst durch den Druck von Stichen die genaue Wiederholung bildhafter Aussagen möglich wird, tritt deutlicher hervor, wenn man sich vor Augen hält, dass schon in der Antike Gelehrte wie Plinius der Jüngere sehr wohl wussten, dass sich einerseits Blumen oder Blätter mit Worten nicht so beschreiben lassen, dass ein Leser sie in der Wirklichkeit sicher wieder erkennt und dass andererseits Zeichnungen beim Kopieren einer Handschrift viel schneller korrumpiert werden als der Text. Die „blickbildende“ und „blicknormierende“ Funktion von Drucktechniken wie Kupfer- und Holzstich zeigt sich u. a. in der Medizingeschichte. Aus der Entwicklung der Anatomie kann man lernen, dass sich das Körperinnere dem Blick nicht so klar strukturiert darstellt, wie es unseren durch Abbildungen in Biologiebüchern und Lexika normierten Vorstellungen erscheinen mag.
„… erst die Druckgraphik ermöglichte naturwissenschaftliche Beschreibung, die Kritik solcher Mitteilung und die schrittweise Annäherung der Darstellung an das Objekt. Der Druck von Zeichnungen auf dafür behandelten Holzblöcken, Kupferplatten oder Steinen ist nicht nur eine optische, sondern auch eine blickbildende Technik.“ (Duden 1991, S. 46)

Quellen:
http://www.wgsebald.de/anatomie.html
Duden, Barbara: Der Frauenleib als öffentlicher Ort: vom Missbrauch des Begriffs Leben, Hamburg und Zürich 1991
Wagner, Wolf-Rüdiger: Medienkompetenz revisited, kopaed München 2004, S. 116 f.

Abbildungen:
„Die Anatomie des Dr. Tulp“ – http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Anatomie_des_Dr._Tulp
„Andreas Vesalius“ – http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Vesalius

Ausflug in die Frühzeit der Massenmedien

 Den Haag

Den Haag – Panorama Mesdag

Ausschnitt des Panorama Mesdag

Hendrik Mesdag war 1866 bereits 35 Jahre alt, als er sich entschloss, den Beruf des Kunstmalers zu ergreifen. Im Mai 1881 begann er mit Hilfe einiger Kollegen die aus Belgien geliefert Leinwand von 14,4 Metern Höhe und 114,5 Metern Länge mit einem Panorama von Scheveningen zu bemalen. Am 1. August 1881 wurde Mesdags maritimes Panorama eröffnet. Schon 1885 ging das Panorama in Konkurs. Daraufhin erwarb Mesdag das Panorama selbst. Heute wird das Panorama als Familienunternehmen mit Non-Profit-Charakter betrieben.Dieser Ausflug in die Frühzeit der Massenmedien lohnt sich, denn dieses Panorama hat noch nichts von seiner Faszination verloren! Panorama Mesdag

 Die ersten Panoramen entstanden in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts, gerieten dann aber in Vergessenheit und wurden unter anderem aufgrund der Erfindung der Fotografie wiederentdeckt. (Daguerre, einer der Erfinder Fotografie, hatte als Panorama- bzw. Dioramamaler gearbeitet.) Das Panorama erlebte dann noch einmal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Blüte als der Fortschrit in der Webtechnik es erlaubt, breitere Bahnen zu weben, so dass größere Panoramen möglich wurden. Die Errichtung von neuen Panoramen wurde durch Aktiengesellschaften betrieben, deren Aktien u. a. an der Brüsseler Börse gehandelt wurden. In diesem Kontext entstand auch das Mesdag Panorama.Weitere Informationen zum Panorama als frühem Massenmedium
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 Meyers Konversationslexikon
 Panorama (griech., „Allschau, Allübersicht“), eine besondere Art von Landschaftsgemälden, welche theils durch die Totalität der Rundschau, theils durch die als Wirkungsmoment angewandte Bewegung des Standpunktes weniger auf den künstlerischen Schein als auf natürliche Illusion berechnet sind. Bei dem Landschaftsgemälde im gewöhnliche Sinnch ist nämlich der Standpunkt des Beschauers als fest angenommen, und es wird nur so viel von dem Natur-Sichtbaren dargestellt, als (das Auge als Spitze eines Kegels angenommen, dessen Winkel 900 beträgt) in den dadurch gebildeten Sehkreis fällt. Ein natürliches P. bietet sich dem Beschauer dar, wenn er, etwa auf einem hohen Berg stehend, sich allmählich im Kreis dreht und so die ganze Umgegend nach und nach an seinem Auge vorüberziehen sieht. Denkt man sich nun dieses Band, welches den Beschauer cylinderförmig umgibt, an einer Stelle von oben nach unten zerschnitten und der Breit nach auf eine gerade Fläche ausgebreitet, so hat man die Darstellung eines Panorama’s. Um dasselbe zu sehen, ist also eine künstliche Vorrichtung nöthig, wodurch die Bewegung des Nacheinander dargestellt wird. Dies kann auf doppelte Weise geschehen: entweder wird das Längenbild langsam vor den Augen des Beschauers vorübergezogen (Cyklorama) oder es bedeckt, in sich zurückkehrend , die Wand eines cylinderförmigen Raums, an welcher der Beschauer allmählich herumwandelt (eigentliches P.). Indem nun durch künstliche, dem Beschauer, der sich selbst im Dunkeln befindet, nicht direkt sichtbare Beleuchtung, sei es von oben durch koncentriertes Tageslicht, sei es durch Lampen, das Gemälde derartig in Wirkung gesetzt wird, daß es dem Natureindruck möglichst nahekommt, so entsteht jene Illusion, welche der eigentliche Zweck des Panorama’s ist und zuweilen noch durch künstliche Naturnachahmung atmosphärischer Erscheinungen, wie Donner, Regen, Schneefall und dgl., verstärkt wird. Die Panoramen sind von dem irischen Maler Robert Parker 1787 erfunden, welcher zuerst im kleinen mit der Ansicht von Edinburg machte und später in London eine 30 Meter im Durchmesser haltende Rotunde ausführen ließ…Meyers Konversations-Lexikon 3. Aufl, Bd. 3, Leipzig 1887, S. 534 f.

Medien als Erfahrungsgüter

Unter einem Erfahrungsgut versteht man in den Wirtschaftswissenschaften ein „Gut, dessen Qualität ein Haushalt erst nach vollzogenem Konsum feststellen kann. Der Konsum von Erfahrungsgütern zieht Lerneffekte nach sich, die das Nachfrageverhalten zukünftiger Perioden beeinflussen.“ (Wirtschaftslexikon)

Medien zählen ganz offensichtlich zu den Erfahrungsgütern. Wenn diese Einschätzung stimmt, dann stellt sich auch bei Lehrern erst dann ein Lerneffekt ein, wenn sie mit Medien konkrete Erfahrungen im Unterricht gemacht haben. Wenn dies so zutrifft, findet man hier die Erklärung mancher Schwierigkeiten bei der Implementierung von Medienarbeit und Medienbildung.

Rückblick auf das Jahr 1978: Die Rolle der Medien beim Sturz des Schahs

Modernisten-Feinde nutzen moderne Massenpropaganda (DER SPIEGEL 50/1978)

Denn die meisten Iraner haben sich ihren Willen über ihn längst gebildet und machen ihn für alle Fehler seines Regimes persönlich verantwortlich: für die Korruption der Beamten und die Folter-Verhöre der Geheimpolizei Savak, für Arbeitslosigkeit und Vernachlässigung der Landwirtschaft, die dazu führte, daß der einstige Selbstversorger Iran heute 20 Prozent seines Bedarfs importieren muß, und schließlich für die Menschen, die das Jahr über im Feuer der Soldaten starben.

Was den Aufstand gegen den Schah aber so einmalig macht, ist die Kraft, die ihn auslöste: Es war islamische Rechtgläubigkeit, die wohl seltsamste revolutionäre Speerspitze der Geschichte, die Schah-Feinde der verschiedensten politischen Lager zum Kampf gegen das Regime integrierte — die Geschäftsleute in den Basaren, die liberale Intelligenz, die Arbeiter auf den Ölfeldern.

In religiösem Eifer predigten die 180 000 Mullahs im Lande gegen den Schah — und dann noch ein alter Mann mit Bart und Turban. der rund 4500 Kilometer von Teheran entfernt im Pariser Vorort Neauphle-le-Château im Exil lebt: Ajatollah Chomeini, 78, rief zum „Jihad“, zum heiligen Krieg, der nach Moslem-Überzeugung jedem, der darin umkommt, die sofortige Aufnahme ins Paradies sichert.

Die Tonbandaufnahmen mit seinen stets neuesten Reden gegen den Schah dröhnen aus den Minarett-Lautsprechern vieler der 80 000 persischen Moscheen und geben dem Aufstand etwas Absurdes:

Mit Mitteln moderner Massenpropaganda haben religiöse Modernisten-Feinde die vor Jahresfrist noch ungebrochene Autokratie eines der großmachtsüchtigsten Herrscher der Erde ins Wanken gebracht und sein von Amerika zur stärksten Militärmacht in Nah- und Mittelost hochgerüstetes Reich zu einem weltpolitischen Risikofaktor ersten Grades werden lassen.

„Vor 100 Jahren starb Robert Koch“ – Mikroskop und Medienkompetenz

MikroskopDie Fähigkeit, sich mit Bildern aus Naturwissenschaft, Technik und Medizin analytisch und kritisch auseinandersetzen zu können, erhält zunehmend Bedeutung, da diese Bilder den Eingang in alle Bereich der öffentlichen Kommunikation finden und dort Einfluss auf politische und gesellschaftliche, aber auch individuelle Entscheidungsprozesse haben.

Dass man die Forderung nach der Fähigkeit, Bilder analytisch und kritisch lesen zu können, nicht von außen an Naturwissenschaft, Technik und Medizin heranträgt, sonder sich dabei auf den fachinternen Diskurs beziehen kann – und muss, lässt sich exemplarisch an den Texten Robert Kochs, dem Begründer der Bakteriologie und späteren Nobelpreisträger, aufzeigen.

Mehr hierzu: Robert Koch, die Begründung der Bakteriologie und die Anforderungen an Medienkompetenz – Ein Plädoyer für die Ausweitung der Medienanalyse und Medienkritik auf Naturwissenschaften, Medizin und Technik