Warum uns Bücher den Rücken zukehren

„Ein klassisches Gedicht kommt auf Versfüßen einher, einen amtlichen Brief schreiben wir auf einem Kopfbogen, wissenschaftliche Abhandlungen haben Kapitel ( von caput-Kopf) und stützen sich auf Fußnoten. Sobald wir die Kommunikation mit einem Buch beenden und es wieder ins Regal stellen, kehrt es uns auch seinerseits den Rücken zu. Die toten Metaphern des Buchwesens erinnern an die physiologische Verbindung von Körper und Stimme, verweisen darauf, daß sich die alten und die neuen Medien der Kommunikation nicht als bloße Alternativen zueinander verhalten, sondern dem Gesetz der wechselseitigen Assimilation und Nachahmung unterliegen…“
(Horst Wenzel: Hören und Sehen. Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter, München1995, S. 9)